Armin Tobler

Filmreview

20 März

/

Lesezeit 5 Min

Game Over – Der Fall der Credit Suisse

Es gibt Filme, die erzählen eine Geschichte. Und es gibt Filme, die fühlen sich an wie ein Faustschlag. Game Over – Der Fall der Credit Suisse ist Letzteres. Er rast mit einer Dringlichkeit, die an einen Thriller erinnert, und entfaltet dabei eine Informationsdichte, die in der Schweizer Filmlandschaft ihresgleichen sucht. Doch dies ist kein Krimi mit Ermittlern, kein Drama mit einem moralischen Epilog. Es ist eine Geschichte ohne Helden – oder vielmehr eine Geschichte, in der die Helden nicht existieren können.

Der Film zeichnet ein düsteres Bild einer Welt, in der Verluste relativ sind. Was bleibt, sind Verlierer. Und die Verlierer? Manche haben 40 Millionen auf dem Konto, andere haben nichts. Während sich Zahlen verschieben, Machtstrukturen erhalten bleiben und Verantwortlichkeiten im Nebel verschwinden, bleibt eine Frage im Raum stehen: Wer wird zur Rechenschaft gezogen? Die Antwort, so scheint es, ist längst Teil der Prophezeiung.

Doch Game Over ist mehr als eine reine Chronik des Scheiterns. Es ist ein nationales Zeitdokument, das nicht nur die Mechanismen des Finanzsystems entlarvt, sondern auch die Ohnmacht des Einzelnen spürbar macht. Die Inszenierung verstärkt diesen Eindruck: Schnelle Schnitte, eine dichte Montage und ein fast fiebriges Tempo verhindern, dass sich der Zuschauer zurücklehnen kann. Informationen türmen sich auf, ein Strudel aus Aussagen, Archivmaterial und Analysen zieht einen hinein – bis man am Ende nur noch eine resignierte Erkenntnis hat: Nichts hat Konsequenzen.

Gerade diese schonungslose Erzählweise macht den Film so wirkungsvoll. Es gibt keine sentimentale Aufarbeitung, keine künstlich geschaffenen Identifikationsfiguren, die uns ein moralisches Entkommen ermöglichen. Stattdessen ein Abbild einer Realität, die sich immer wiederholt, weil niemand die Regeln ändert. Eine filmische Anklage, die nicht mit erhobenem Zeigefinger daherkommt, sondern mit der Kälte eines Systems, das längst gelernt hat, sich selbst zu schützen.

Stilistisch erinnert der Film weniger an klassischen Investigativ-Journalismus als an eine Mischung aus den politischen Essayfilmen von Adam Curtis (HyperNormalisation) und der präzisen Sezierung von Machtstrukturen à la Alex Gibney (Enron: The Smartest Guys in the Room). Game Over funktioniert fast wie ein Finanz-Thriller, dessen Spannung nicht aus klassischen Konflikten entsteht, sondern aus der schieren Unfassbarkeit der Realität. Die Paranoia der New Hollywood-Ära klingt hier nach – Filme wie Network oder Die drei Tage des Condor, in denen das System immer gewinnt, weil es von innen heraus unantastbar ist.

Es ist eine Dokumentation, die nicht nur ein Finanzsystem, sondern eine Gesellschaft seziert. Die Schweizer Neutralität? Ein Geschäftsmodell. Die Schweizer Effizienz? Ein Mythos, der nur für jene gilt, die sich nicht in den richtigen Kreisen bewegen. Wer nicht dazugehört, wer nicht abgesichert ist, bleibt draussen. Und draussen bleibt man lange.

Der Film stellt eine Frage, die sich jeder irgendwann stellt, der nicht in dieses System hineingeboren wurde: Wenn niemand bestraft wird, wenn sich nichts ändert, warum sollte man sich überhaupt noch empören?

Vielleicht ist das die wahre Tragödie.

Game Over.


Game Over – Der Fall der Credit Suisse

Es gibt Filme, die erzählen eine Geschichte. Und es gibt Filme, die fühlen sich an wie ein Faustschlag. Game Over – Der Fall der Credit Suisse ist Letzteres. Er rast mit einer Dringlichkeit, die an einen Thriller erinnert, und entfaltet dabei eine Informationsdichte, die in der Schweizer Filmlandschaft ihresgleichen sucht. Doch dies ist kein Krimi mit Ermittlern, kein Drama mit einem moralischen Epilog. Es ist eine Geschichte ohne Helden – oder vielmehr eine Geschichte, in der die Helden nicht existieren können.

Der Film zeichnet ein düsteres Bild einer Welt, in der Verluste relativ sind. Was bleibt, sind Verlierer. Und die Verlierer? Manche haben 40 Millionen auf dem Konto, andere haben nichts. Während sich Zahlen verschieben, Machtstrukturen erhalten bleiben und Verantwortlichkeiten im Nebel verschwinden, bleibt eine Frage im Raum stehen: Wer wird zur Rechenschaft gezogen? Die Antwort, so scheint es, ist längst Teil der Prophezeiung.

Doch Game Over ist mehr als eine reine Chronik des Scheiterns. Es ist ein nationales Zeitdokument, das nicht nur die Mechanismen des Finanzsystems entlarvt, sondern auch die Ohnmacht des Einzelnen spürbar macht. Die Inszenierung verstärkt diesen Eindruck: Schnelle Schnitte, eine dichte Montage und ein fast fiebriges Tempo verhindern, dass sich der Zuschauer zurücklehnen kann. Informationen türmen sich auf, ein Strudel aus Aussagen, Archivmaterial und Analysen zieht einen hinein – bis man am Ende nur noch eine resignierte Erkenntnis hat: Nichts hat Konsequenzen.

Gerade diese schonungslose Erzählweise macht den Film so wirkungsvoll. Es gibt keine sentimentale Aufarbeitung, keine künstlich geschaffenen Identifikationsfiguren, die uns ein moralisches Entkommen ermöglichen. Stattdessen ein Abbild einer Realität, die sich immer wiederholt, weil niemand die Regeln ändert. Eine filmische Anklage, die nicht mit erhobenem Zeigefinger daherkommt, sondern mit der Kälte eines Systems, das längst gelernt hat, sich selbst zu schützen.

Stilistisch erinnert der Film weniger an klassischen Investigativ-Journalismus als an eine Mischung aus den politischen Essayfilmen von Adam Curtis (HyperNormalisation) und der präzisen Sezierung von Machtstrukturen à la Alex Gibney (Enron: The Smartest Guys in the Room). Game Over funktioniert fast wie ein Finanz-Thriller, dessen Spannung nicht aus klassischen Konflikten entsteht, sondern aus der schieren Unfassbarkeit der Realität. Die Paranoia der New Hollywood-Ära klingt hier nach – Filme wie Network oder Die drei Tage des Condor, in denen das System immer gewinnt, weil es von innen heraus unantastbar ist.

Es ist eine Dokumentation, die nicht nur ein Finanzsystem, sondern eine Gesellschaft seziert. Die Schweizer Neutralität? Ein Geschäftsmodell. Die Schweizer Effizienz? Ein Mythos, der nur für jene gilt, die sich nicht in den richtigen Kreisen bewegen. Wer nicht dazugehört, wer nicht abgesichert ist, bleibt draussen. Und draussen bleibt man lange.

Der Film stellt eine Frage, die sich jeder irgendwann stellt, der nicht in dieses System hineingeboren wurde: Wenn niemand bestraft wird, wenn sich nichts ändert, warum sollte man sich überhaupt noch empören?

Vielleicht ist das die wahre Tragödie.

Game Over.


Game Over – Der Fall der Credit Suisse

Es gibt Filme, die erzählen eine Geschichte. Und es gibt Filme, die fühlen sich an wie ein Faustschlag. Game Over – Der Fall der Credit Suisse ist Letzteres. Er rast mit einer Dringlichkeit, die an einen Thriller erinnert, und entfaltet dabei eine Informationsdichte, die in der Schweizer Filmlandschaft ihresgleichen sucht. Doch dies ist kein Krimi mit Ermittlern, kein Drama mit einem moralischen Epilog. Es ist eine Geschichte ohne Helden – oder vielmehr eine Geschichte, in der die Helden nicht existieren können.

Der Film zeichnet ein düsteres Bild einer Welt, in der Verluste relativ sind. Was bleibt, sind Verlierer. Und die Verlierer? Manche haben 40 Millionen auf dem Konto, andere haben nichts. Während sich Zahlen verschieben, Machtstrukturen erhalten bleiben und Verantwortlichkeiten im Nebel verschwinden, bleibt eine Frage im Raum stehen: Wer wird zur Rechenschaft gezogen? Die Antwort, so scheint es, ist längst Teil der Prophezeiung.

Doch Game Over ist mehr als eine reine Chronik des Scheiterns. Es ist ein nationales Zeitdokument, das nicht nur die Mechanismen des Finanzsystems entlarvt, sondern auch die Ohnmacht des Einzelnen spürbar macht. Die Inszenierung verstärkt diesen Eindruck: Schnelle Schnitte, eine dichte Montage und ein fast fiebriges Tempo verhindern, dass sich der Zuschauer zurücklehnen kann. Informationen türmen sich auf, ein Strudel aus Aussagen, Archivmaterial und Analysen zieht einen hinein – bis man am Ende nur noch eine resignierte Erkenntnis hat: Nichts hat Konsequenzen.

Gerade diese schonungslose Erzählweise macht den Film so wirkungsvoll. Es gibt keine sentimentale Aufarbeitung, keine künstlich geschaffenen Identifikationsfiguren, die uns ein moralisches Entkommen ermöglichen. Stattdessen ein Abbild einer Realität, die sich immer wiederholt, weil niemand die Regeln ändert. Eine filmische Anklage, die nicht mit erhobenem Zeigefinger daherkommt, sondern mit der Kälte eines Systems, das längst gelernt hat, sich selbst zu schützen.

Stilistisch erinnert der Film weniger an klassischen Investigativ-Journalismus als an eine Mischung aus den politischen Essayfilmen von Adam Curtis (HyperNormalisation) und der präzisen Sezierung von Machtstrukturen à la Alex Gibney (Enron: The Smartest Guys in the Room). Game Over funktioniert fast wie ein Finanz-Thriller, dessen Spannung nicht aus klassischen Konflikten entsteht, sondern aus der schieren Unfassbarkeit der Realität. Die Paranoia der New Hollywood-Ära klingt hier nach – Filme wie Network oder Die drei Tage des Condor, in denen das System immer gewinnt, weil es von innen heraus unantastbar ist.

Es ist eine Dokumentation, die nicht nur ein Finanzsystem, sondern eine Gesellschaft seziert. Die Schweizer Neutralität? Ein Geschäftsmodell. Die Schweizer Effizienz? Ein Mythos, der nur für jene gilt, die sich nicht in den richtigen Kreisen bewegen. Wer nicht dazugehört, wer nicht abgesichert ist, bleibt draussen. Und draussen bleibt man lange.

Der Film stellt eine Frage, die sich jeder irgendwann stellt, der nicht in dieses System hineingeboren wurde: Wenn niemand bestraft wird, wenn sich nichts ändert, warum sollte man sich überhaupt noch empören?

Vielleicht ist das die wahre Tragödie.

Game Over.


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